Beitrag #9
Es war zwar nur eine kleine Schatulle was dort in der Truhe versteckt lag, doch die Luft um sie herum schien zu flimmern und eine ungewöhnliche Anziehungskraft ging von dem Inhalt der Schatulle aus – so stark dass nicht nur der empfindsame Wolf, sondern auch Crazy als „Holzblock“ Mensch es spüren konnte.
“... Ein Splitter des Glases aus dem der Mond geschaffen wurde...“ flüsterte Crazy ehrfürchtig. Dies waren die Worte des Necroscopen gewesen, als er ihr zu Kamis und ihrer Hochzeit dieses überaus wertvolle Geschenk überreicht hatte. Noch eine Sache, die ihre Ehe beschützen sollte und ihnen in der Not helfen konnte. Staunend und ehrfürchtig öffnete sie die Schatulle. Im Inneren war sie mit schwarzem Samt ausgekleidet und auf einer kleinen Erhöhung thronte der Splitter, der in einer undefinierbaren Farbe zu leuchten schien. Crazy musste lächeln, allein der Anblick des Splitters erfüllte sie mit Wärme, Erinnerungen an längst Vergangenes stiegen auf, das musste die Wirkung des Steines sein, von der ihr der Necroscop erzählt hatte! Er hatte gesagt, der Stein könne viel erzählen, von Vergangenem und von der Zukunft, er könne Kraft geben und in der Not sogar Rat. Ein weiteres wunderbares Geschenk, das ein ehrwürdigen Platz in ihrer Kammer brauchte. Crazy fiel auf, dass sie sowieso eine Art Regal brauchte, allein schon für ihre Schriftrollen und Bücher. Einer ihrer Brüder würde ihr sicherlich den gefallen tun und ihr ein schönes Regal Zimmern.
“Strigoi, du bleibst bitte hier und gibst Acht auf meine Habseligkeiten.“ ermahnte sie den Wolf sanft, schloss die Truhe und machte sich auf die Suche nach einem handwerklich geschickten Mönch.
Natürlich war so etwas nicht schwer zu finden, in der Taverne Hells Kitchen fand sie schnell jemanden der bereit war ihr zu helfen, doch als Crazy extra noch betonte dass es nur ein unscheinbares Regal sein solle, blickte sie der Mönch entsetzt an.
“Das kann doch nicht dein Ernst sein, Crazy! Dein Gemach hat etwas besonders Edles verdient! Ich hab da auch schon eine Idee...Kommt, folgt mir!“
Sie konnte kaum folgen als ihr Bruder flink wie ein Wiesel durch die Gänge des Klosters rannte, bis sie nach wenigen Minuten vor der Bibliothek angekommen waren...“Was sollen wir hier?“ fragte Crazy höchst verwirrt. Der Mönch jedoch lächelte nur. “Warte es ab, liebe Schwester, warte es ab...“
Die beiden betraten die „Halle der Schriftrollen“, in der einem direkt der Geruch von Staub und altem Pergament entgegenschlug.
“Im hinteren Teil gibt es ein paar unbenutzte Schränke, einer schöner als der andre...“ aufgeregt wie er war rannte der Mönch fast. “Sie sind aus edlem, dunklen Ebenholz, aber seht selbst!“
Er kam schlagartig zum Stehen und zeigte auf ein paar schwach beleuchtete Schränke. In der hintersten Ecke des Raumes stand er. Es war sozusagen der Schrank aus Crazys Träumen, er passte perfekt in ihre Kammer. Die Türen waren mit stilisierten Drachenschuppen verziert und an statt normaler Füße waren klauenartige Sockel angebracht.
“Das ist genau was ich gesucht habe...Aber...kann ich mir den Schrank denn einfach für meine Kammer nehmen?“ fragte Crazy den Mönch skeptisch. Der lachte nur. “Natürlich, meine Liebe... Wir sind hier doch alle Diebe und Vagabunden... Wartet, ich hole noch ein paar starke Jungs die das Tragen übernehmen...“ Freudestrahlend rannte er davon, und wenig später trugen tatsächlich zwei junge Novizen den schweren Schrank in Crazys Gemach.
Die jungen Männer waren gerade, nachdem Crazy sich erst einmal ausgiebig bei allen bedankt hatte, gegangen, als es an ihre Türe klopfte.
Ohne auch nur auf ein “Herein“ zu warten betrat eine kleine aber ziemlich untersetzte Frau den Raum, links und rechts hielt sie zwei Säuglinge in ihren Armen.
“So Crazy,“ ,schnauzte die Frau. “Ich hab meinen Job für heute erledigt, da haste deine Blagen wieder...“
Crazy nahm die beiden Babys entgegen, dankte der Frau (die, was auch sonst, natürlich die Amme der Kinder war) und brachte die schlafenden Kleinen zu ihrem Bett. Liebevoll legte sie die Beiden nieder und deckte sie mit dem weichen Stoff, den sie in der Truhe gefunden hatte, zu.
Als sie sah dass die Kinder sich nicht stören ließen und unbehelligt weiterschliefen setzte sie sich kurz neben sie an den Rand des Bettes.
“Da wird euer Vater aber Augen machen...Träumt süß, meine Lieblinge.“, flüsterte sie und lachte leise. Noch wusste Kamikaze nichts von seinem Glück, doch bei solch schönen und friedlichen Kindern konnte er gar nichts tun außer sich zu freuen - und das würde er, dessen war sie sich sicher.
Natürlich war sie selbst etwas schockiert gewesen als sie von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte, passiert sein musste es beim Imamturnier von Sturmwind Otajesko, also noch vor ihrer Hochzeit. Das war nun über ein Jahr her, und die Kinder zählten mittlerweile schon drei Monde, aber Crazy war sich von Anfang an sicher gewesen dass sie es ihrem Mann selbst sagen wollte. Sie wollte sein Gesicht sehen wenn er das erste Mal sein eigenes Fleisch und Blut zu Sehen bekam.
Ein Mädchen und ein Junge, so hatte sie es sich immer gewünscht. Die Namen hatte sie natürlich allein ausgesucht, aber da hätte Kamikaze eh nicht besonders viel zu sagen gehabt.
Rogar und Iya Insania Ardrad’g, sie war sich sicher dass die Zwillinge mit diesen Namen gut bedient waren...
Leise seufzend erhob sich Crazy und besah sich ihren neuen Schrank. Die Kinder würden früh genug aufwachen, sie musste sich beeilen wenn sie bis dahin alles eingeräumt haben wollte...
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