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Tolle Knolle!
Gregorius Haze
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Beitrag #1
Tolle Knolle!
Immerhin schwankte der Boden nicht mehr. Das war aber auch der einzige Vorteil, den es hatte, wieder auf festem Land zu sein. Alles andere an dieser Reise ging Gregorius eher ziemlich auf die Nerven: der unliebsame, nörgelnde Mitreisende, der die ganze Zeit drängelte, daß man doch schneller reisen sollte, die langsamen Maultiere, das schlechte Wetter, die Wärme, Rom generell und vor allem diese nervigen Träume. Die hatten das ganze Unheil ja überhaupt erst angerichtet.

Wer bitte träumte denn schon von Kartoffeln?!

Bratkartoffeln, Pellkartoffeln, Kartoffelsalat, Kartoffelspalten, frittierte Kartoffeln, gekochte Kartoffeln, zerstampfte Kartoffeln, geraspelte Kartoffeln, rohe Kartoffeln – es verging keine Nacht, ohne daß der Pirat mit grummelndem Magen und dem Gefühl von Erde zwischen den Fingern erwachte. Das allein war für sich genommen schon lästig, noch schlimmer fand er es jedoch, daß sein Mitreisender ihm trotz der Träume kategorisch verbot, irgendeines dieser Gerichte zuzubereiten. „Kartoffeln sind Freunde, kein Futter!“, sagte er jedes Mal mit leicht verzücktem Gesichtsausdruck, wenn Greg sein Missfallen laut kundtat, und bot ihm stattdessen Hühnchen an. HÜHNCHEN! Als käme das dumme Geflügel im Geschmack den göttlichen Knollenfrüchten gleich!

Schon, wenn er nur an Kartoffeln dachte, begann sein Mund zu wässern.
16.03.2014 17:10
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Jakob Wilson
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Beitrag #2
RE: Tolle Knolle!
„Du, äh … hast da was“, sagte Jakob und deutete mit dem Zeigefinger auf seinen eigenen Mundwinkel. Er hatte so eine Ahnung, woran sein Weggefährte gerade dachte. Trotzdem fand er es nur bedingt ästhetisch, dass Gregorius schon wieder die Spucke aus dem Mundwinkel lief.
Hatte dieser Mensch sich denn gar nicht unter Kontrolle? Schlimm genug, dass er manchmal im Schlaf von gar gräuseligen Dingen redete, wie davon Kartoffeln zu schälen, zu zerschneiden und dann auch noch in kochendes Wasser zu werfen – das war ja wohl so etwas von barbarisch, Knollen waren schließlich auch nur Menschen! – nein, im wachen Zustand wollte er diese Träume auch noch in die Tat umsetzen!

Das ging natürlich gar nicht! Jakob konnte es auch noch nicht so recht fassen, dass die Götter oder das Schicksal oder wer auch immer, ihm diesen seltsamen Menschen an die Seite gestellt hatten. Er war mit der Gesamtsituation höchst unzufrieden und wünschte mittlerweile wirklich, er hätte sich alleine auf den Weg nach Rom gemacht.

Zu seinem größten Bedauern wäre er ohne Gregorius aber wohl ziemlich aufgeschmissen gewesen. Nicht nur, dass dem anderen Mann eines der Maultiere gehörte, die ihren Wagen zogen, nein, auch der Karren gehörte ihm zur Hälfte.
Und in den wenigen Momenten, in denen Jakob den grantigen Typen neben sich nicht verfluchte, musste er sich auch eingestehen, dass auch die schlechteste Gesellschaft immer noch besser war als alleine zu reisen.
Außerdem hatten sie ja eine Aufgabe. Worin die bestand, dass war ihm noch nicht ganz klar, vielleicht erlaubte sich da ja auch einfach nur jemand einen großen Scherz mit ihnen, aber nun waren sie schon so weit gekommen, waren quer durch das Land gereist, um nach Rom zu kommen, hatten sich von Gregorius' seltsamen Träumen leiten lassen – jetzt erschien es Jakob doch ein wenig zu spät, um noch Zweifel zu entwickeln und umzukehren.
Zumal es bestimmt lächerlich ausgesehen hätte, so ein einzelnes Maultier, das versuchte einen halben Karren hinter sich herzuziehen.

Trotzdem sehnte er sich das Ende ihrer Reise herbei. Es war alles andere als angenehm, dieses stundenlange Sitzen auf dem Kutschbock, außerdem war es verdammt heiß und Jakob hatte so eine dumpfe Ahnung, dass die Zeit drängte. Woher die kam – er wusste es nicht. Aber er hatte es auch aufgegeben sich zu wundern. Aber das Fragen, das würde er schätzungsweise nie aufgeben.
„Sind wir bald da?“
16.03.2014 17:15
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Gregorius Haze
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Beitrag #3
RE: Tolle Knolle!
„Was?! Wo?“
Greg schaute Jakob etwas irritiert an, fuhr sich dann aber mit der Hand über den Mund. „Ah. Oh. 'Schuldigung. Ich habe lediglich...“, er räusperte sich kurz, „an unser Abendessen gedacht. Was gibt es denn?“
Warum stellte er diese Frage überhaupt noch? Natürlich würde es Fleisch geben. Hühnchen, oder irgendein anderes totes Tier. Die Arbeitsteilung, daß Jakob das Kochen übernahm und Greg dafür den Wagen steuerte, hatte sich bereits am ersten gemeinsamen Reisetag herauskristallisiert: Jakob bezeichnete Gregs Standardessen (köstlicher Labskaus, Pannfisch, und natürlich KARTOFFELN!) als barbarisch, ungenießbar und gotteslästerlich, und Greg verzweifelte auf dem Beifahrersitz, als Jakob ihn nur jedes Mal verwundert anblickte, wenn er ihm Anweisungen gab, wie er zu steuern hatte. Elende Landratte! Dieser Dummkopf konnte backbord nicht von steuerbord unterscheiden, nicht nach Strichen navigieren und war selbst als Ausguck vollkommen untauglich.
Also hatten sie den Weg des kleineren Übels gewählt und die Aufgaben verteilt.

„Nein. Sind wir nicht.“, brummelte der Pirat sehr kurz angebunden auf die unsinnige Frage seines Gefährten. Auch das war etwas, woran er sich einfach nicht gewöhnen konnte. An Bord war die Hierarchie klar und unmißverständlich, und niemals hätte einer der einfachen Crewmitglieder es gewagt, die Route, das Reisetempo oder überhaupt eine Entscheidung des Captains anzuzweifeln. Eine Frage zu stellen wagten nur die verwegensten Matrosen, und für eine so unverschämt dumme wie die von Jakob grade hätte er normalerweise dem Fragesteller zumindest ein Ohr abgehauen.

Leider war diese glückliche Zeit seines Lebens vorbei. Der Prophet, dessen Bild und Rat und Anweisungen er im Traum empfing, war zu Gregs persönlichem Unwillen überzeugter Pazifist, und Landratte der schlimmsten Sorte noch dazu. Ein Bauer! Wie konnte das Schicksal nur so grausam zu ihm sein?!
Doch Kartoffeln wuchsen leider nicht auf dem Meer. Und somit führte ihn die Suche nach dem Auserwählten von der Küste weg, über Land und Straßen und viele Meilen fort von Brise und Gischt und Wind.

Schlecht gelaunt ließ Greg die Peitsche über den Rücken der Maultiere knallen. „Pest und Cholera über euch stummelbeinige Eiterbeulen! Arrrrr! Bewegt euch!“

Fluchen half, stellte er fest. Es besserte seine Laune zumindest ein wenig.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.03.2014 17:37 von Gregorius Haze. )
16.03.2014 17:36
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Jakob Wilson
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Beitrag #4
RE: Tolle Knolle!
Jakob seufzte gottergeben und verdrehte ein wenig die Augen. „Ja, das dachte ich mir“, murmelte er. Die nächste Frage war ihm nicht einmal mehr eine Antwort wert, er warf Gregorius einfach nur einen vielsagenden Blick zu. Natürlich würde es das selbe wie jeden Abend geben. Fleisch. Bot sich an. Schließlich hatte er in weiser Voraussicht als er von zuhause aufbrach, alle Hühner in Käfige gesteckt und mitgenommen. Was hätte er auch sonst damit machen sollen? Sie etwa seinem unverschämten Nachbarn überlassen? Nein! Außerdem hatten sie ja schließlich Proviant gebraucht.

„Muss das sein?“, fragte er mit missbilligend gerunzelter Stirn, als Gregorius schon wieder die Peitsche benutzte. Vielleicht war ihre Arbeitsteilung doch nicht die richtige. Auf jeden Fall war er nicht das allerkleinste bisschen damit einverstanden, wie der Mann mit ihren Maultieren umging. Andererseits war er auch nicht im Mindesten scharf darauf noch einmal in den „Genuss“ von Gregorius' Koch- ääh … „-künsten“ zu kommen. Zumal er beim ersten und bislang einzigen Mal beinah an einer Gräte erstickt war. Ganz zu schweigen davon, dass er nicht noch einmal Zeuge davon werden wollte, wie der Andere barbarisch die schönen, goldenen Kartoffeln in sich hineinstopfte.

„Wie lange dauert es denn noch?“, wollte er in quengeligem Ton wissen. „Außerdem muss ich mal für kleine Barbiere!“, bekannte er dann.
16.03.2014 18:05
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Gregorius Haze
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Beitrag #5
RE: Tolle Knolle!
„Wenn Du verdammter Hund etwas anderes kochen würdest als das ewige Hühnchen wäre ich nicht gezwungen, mich zumindest in Tagträumen genießbarer Speise hinzugeben. Aber nein, in Deiner übertriebenen Frömmigkeit sabberst Du Kartoffeln ja nur noch mit Schale an!“, knurrte Greg seinen Reisegefährten böse an. „Kratz gefälligst mal das Schmalz aus Deinen viel zu großen Segelohren und hör mir einmal zu: selbst der Prophet isst die heiligen Knollen, ich habe es im Traum gesehen!“

Nicht, daß Greg nicht bereit gewesen wäre, in diesem Punkt die Wahrheit auch zu seinen Gunsten zu verändern, aber es stimmte tatsächlich. Eine lange und ehrlich gesagt ziemlich langweilige Nacht hatte er schlafend den himmlischen knollenfüßigen Kartoffelbauer dabei beobachtet, wie er in stoischer Langsamkeit die wohl größten Kartoffeln der ganzen Welt aus dem Erdreich zog und mit bedächtiger Sorgfalt diese schälte, kochte, stampfte und als göttlich cremigen Brei schlußendlich verspeiste. Zu seinem eigenen Entsetzen erwachte Greg nach dieser peinigenden, grausamen Vision mit seinem eigenen Handballen im Munde, an welchem er offenbar herumgekaut hatte. Jakob hatte dazu nichts gesagt, was Greg immerhin hoffen ließ, daß der zweite Gläubige nichts von dieser Schmach mitbekommen hatte.

„Ja, es muß sein. Dir darf ich ja leider die Peitsche nicht zu schmecken geben, obwohl ich kaum etwas lieber täte.“ Greg warf seinem Mitfahrer einen bösen Seitenblick zu. „Du hast eine schwächere Blase als ein hochschwangeres Weib! Wirklich, Du bist eine Schande für das gesamte männliche Geschlecht!“ Wütend brachte er die Maultiere zum Stehen. „Na los, Schwammkopf, geh pissen. Bei Neptuns Dreizack, ich wünschte, Dich würden dabei alle Kartoffeln der Welt erschlagen, dann wäre ich Dich wenigstens los!“

Mit wieder deutlich schlechterer Stimmung sprang der Pirat ebenfalls vom Wagen und sah sich um. Bis zum nächsten Dorf waren es nur noch etwa zwei Seemeilen, schätzte er. Vielleicht würden sie dort endlich Glück haben und jemanden finden, der ihnen den Weg zum erdäpfeligen Propheten weisen konnte.
16.03.2014 20:07
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Jakob Wilson
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Beitrag #6
RE: Tolle Knolle!
Es fehlte nicht viel und Jakob hätte sich einfach die Finger in die Ohren gesteckt und angefangen zu summen. So setzte er einfach nur eine stoische Miene auf und ignorierte den wetternden Mann neben sich. Was sollte er auch sonst tun? „Im Gegensatz zu dir sabbere ich nicht“, murmelte er schließlich doch.
Ansonsten hielt er sich da bedeckt. Er zweifelte Gregorius' Geschichte, dass der Prophet selbst Kartoffeln aß, zwar insgeheim an, widersprach aber nicht. Wer wusste schon, was der Pirat nachts in seinen Träumen sah? Erst vor wenigen Tagen hatte Jakob im Schein des langsam ersterbenden Lagerfeuers beobachtet, wie der Mann hingebungsvoll an seiner Faust genuckelt und herumgekaut hatte. Da sollte der sich noch einmal über das wirklich schmackhafte Hühnchen beklagen, dass der Barbier so häufig abends servierte!

„Entspann dich mal!“, empfahl er seinem Nebenmann, als der die nächste Gelegenheit gleich wieder dafür nutze in die Luft zu gehen. Er stieg vom Wagen. „Wie kannst du nur …?“, fragte er dann empört. Das war Kartoffellästerung!
Er betete, dass sie bald den Propheten finden würden, damit … ja, was wollten sie denn eigentlich von ihm? Jakob wusste es nicht. Genau so wenig, wie er wusste, warum er eigentlich mit diesem Wagen reiste und sich ständig von diesem abgehalfterten Piraten beleidigen ließ.

Nachdem er Wasser abgeschlagen hatte, ging er trotzdem zurück zum Wagen. Der gehörte ja schließlich zur Hälfte auch ihm! „Was wollen wir eigentlich von diesem Mann?“, erkundigte er sich und staunte, dass er noch nicht eher auf die Idee gekommen war diese Frage zu stellen. Aber irgendwie, trotz aller Differenzen mit seinem Weggefährten, spürte er einfach, dass es richtig war, was sie hier taten. Einfach richtig sein musste, denn sonst wäre diese ganze Tortur ja völlig vergebens.

Wenigstens schien das nächste Dorf nicht mehr allzu weit entfernt zu sein.
Und tatsächlich erreichten sie es nach nicht allzu langer Zeit. Jakob war mehr als froh, dass er endlich von seinem griesgrämigen Weggefährten wegkam und das missmutige Gesicht ein paar Stunden lang nicht ertragen musste. „Am besten holen wir getrennt voneinander Erkundigungen ein“, schlug er deshalb schnell vor.
16.03.2014 20:50
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Gregorius Haze
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Beitrag #7
RE: Tolle Knolle!
„Was war das?!“, empörte sich Greg. Hatte ihm dieser schmale Hänfling grade eben tatsächlich vorgeworfen, daß er sabberte? Natürlich tat er das, er war schließlich ein ordentlicher Pirat!
Greg war kurz davor, seinen Mitreisenden einfach vom Wagen zu stoßen, sollten ihn doch die Haie fressen, doch er beherrschte sich (wenn auch mühsam). Der Prophet hatte nach ihnen beiden verlangt. Der Prophet mochte keinen Streit. Der Prophet verurteilte Unfrieden, Gewalt und Allianzwechsel zum Zwecke des Gewinnens bei Duellen.

Greg atmete tief durch. Es hatte einen höheren Sinn, daß die plattnasige Ohrenqualle da neben ihm saß und ihn auf der Suche nach dem Prophet begleitete, zumindest hatte sein Traum das so gezeigt. Also würde er sich zusammennehmen und ihn ertragen. Es war für das größere Wohl!

Nur, und wirklich nur aufgrund dieses Wissens erschlug der Pirat Jakob auch nach dessen nächster Frage nicht, obwohl es ihm mehr als schwer fiel. Was sie von ihm wollten? Hatte dieser weichköpfige Schollenkopf denn gar kein Gehirn im Kopf?!
„Ist das Dein Ernst, Du hartgewordene Brotkrume?! Es ist der Prophet! Er ist der Oberste Erwählte, der Erste der subterranen Knollengewächse, der Kartoffeligste unter den Solanaceae, Erdapfel der Menschheit, die Grundbirne der Welt! Er hat die Antwort auf alle Fragen, er bietet Nahrung für jeden Hungernden, er kann jegliche Krankheit heilen und außerdem baut er die allergrößten Kartoffeln an auf seinem Acker. Frag nicht, was wir von ihm wollen, frag lieber, was wir für diese Nachtschattengestalt wohl tun können!“ Ungläubig schüttelte Greg den Kopf. „Manchmal zweifle ich wirklich daran, ob Du dem Glauben tatsächlich angehörst. Ein bisschen vor Kartoffeln niederknien alleine reicht nicht, Du mußt die Kartoffel auch in Dein Herz lassen!“

Der nächste Vorschlag von dem naseweisen Barbier hingegen gefiel dem Piraten gut. Allein Erkundigungen einzuholen war definitiv besser, als dauernd von dem feigen Angsthasen zur Zartfühlung ermahnt zu werden, wenn er seine Fragetechniken bei nicht befriedigender Antwort etwas veränderte. Und, bei diesem Gedanken lief Greg erneut das Wasser im Munde zusammen, vielleicht bekam er irgendwo etwas zu essen. Möglicherweise sogar etwas mit Kartoffeln!
„Guter Vorschlag, Leichtmatrose, so werden wir das machen!“
Rasch sprang er vom Wagen, band die Maultiere an der öffentlichen Tränke an und lief dann los in Richtung der Schenke. Es lockte Essen! Und Rum!
16.03.2014 21:13
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Jakob Wilson
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Beitrag #8
RE: Tolle Knolle!
Jakob hob beschwichtigend die Hand. „Schon gut, schon gut“, murmelte er müde. Diesem pöbelnden Piraten hatte er leider nicht das allerkleinste bisschen entgegenzusetzen. Also, hätte er vielleicht schon, aber er befürchtete mittlerweile, dass Gregorius einfach schrecklich streitlustig war und dass er, sollte Jakob tatsächlich anfangen mit ihm zu diskutieren, nie wieder ruhig sein würde.
Und Jakob mochte Ruhe. Sehr sogar. So sehr, dass er dafür seinen Stolz runterschluckte. Und seine nächste Frage sehr schnell ziemlich bereute, denn die brachte seinen Mitreisenden dazu eine weitere seiner ausufernden Predigten zu halten. Wie viele Synonyme für die göttliche Knolle konnte ein Mensch kennen? Viele, wie es schien.
Dieser religiöse Eifer, den Gregorius aufbrachte, war Jakob ganz grundsätzlich doch eher ein wenig suspekt. Vor allem weil er ihn so wortreich kundtat. Jakob war kein Mensch der großen Worte. Er war ein Freund von Taten. Deshalb hatte er auch nicht lange gezögert, als er diesem seltsamen Piraten begegnet war; er hatte kurzentschlossen seine Hütte verkauft, einen Karren erstanden und war losgezogen. Und nein, das hatte verdammt noch einmal nichts damit zu tun, dass seine Frau ein paar Tage vorher ausgezogen war! Er hatte eben einfach gespürt, dass diese Reise, diese Suche nach der – wie hatte Gregorius es noch gleich genannt? – Grundbirne der Welt etwas sehr, sehr Wichtiges war!
Nicht zuletzt deshalb ließ ihn der Vorwurf, dass sein Glaube an diese Sache nur ein reines Lippenbekenntnis sei, relativ kalt. Er wusste es ja besser! „Ins Herz ja, aber doch nicht in den Magen“, grummelte er halblaut vor sich hin.

Erst nachdem er es selbst vorgeschlagen hatte, kam ihm der Gedanke, dass es vielleicht gar nicht so klug war Gregorius alleine losziehen zu lassen. Nicht nur, dass der Pirat eine höchst … eigenwillige Art an den Tag legte Erkundigungen einzuziehen, nein, so wie Jakob den Mann kannte, war durchaus zu befürchten, dass der sich in der Dorfschenke zulaufen lassen würde und vielleicht auf die Idee kam, sich den Wanst mit Kartoffeln vollzuschlagen! Das konnte Jakob natürlich auf keinen Fall zulassen, auch wenn er sich insgeheim schon ein wenig fragte, ob es jetzt eigentlich seine Aufgabe war, das Kindermädchen zu spielen. Aber nun gut, wenn nicht er, wer dann? Das auf Gregorius' Selbstbeherrschung kein Verlass war, das hatte der in den vergangenen Tagen ja bereits mehr als einmal unter Beweis gestellt.
Die Begeisterung und die Eile, mit der der Andere nun vom Wagen sprang und ihre Maultiere festband, nährten Jakobs böse Befürchtungen nur. Also sah er sich gezwungen, nachdem er noch einmal überprüft hatte, ob ihre Zugtiere wirklich gut angebunden waren, dem Mann in die Schenke zu folgen.
17.03.2014 16:23
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