Eine ganze Weile stand ich auf diesem Hügel, denn das Feuer zog mich voll in seinen Bann. Diese Farben... unglaublich! Ich sah nichts anderes um mich herum als dieses riesige Feuer, es war wirklich gigantisch. Ich war total geistesabwesend und hörte nur das Zischen und Knacken des Feuers.
Plötzlich jedoch, hörte ich jemanden sprechen. Er sagte: "Wer seid ihr und was wollt ihr?"
Kurz war ich ziemlich erschrocken, doch dann fing ich mich wieder und betrachtete die Person vor mir.
Nach einigen Augenblicken erkannte ich sie und sagte grinsend: "Ach, du bist es bloß Vanner... Wer ich bin? Na, Johnny natürlich! Erkennst du mich nicht?"
Vanner schien erleichtert und antwortete mir: "Hier im Dunklen warst du nicht wieder zu erkennen." Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: "Auf dem Weg aus der Provinz kamen Pearm, Einener und einige andere mit mir. Hast du noch andere von uns gesehen? Und kannst du dir erklären wodurch dieses Inferno ausgelöst wurde?"
Die kurze Freude darüber, dass Pearm und Einener noch lebten wurde direkt wieder durch den Gedanken an SirTom und die anderen, die scheinbar immer noch in der Provinz waren weggewischt. Ich senkte den Kopf und sagte, traurig: "Nein, leider habe ich nichts dergleichen gesehen."
Ich wanderte mit dem Blick über die Provinz, sah dieses riesige Feuer und den brennenden Palast und ein Gefühl von Tatendrang, Entschlossenheit flammte in mir auf. "Aber, wenn dieses verdammte Feuer verloschen ist werde ich runter gehen und in jedem Winkel nachsehen ob dort unten noch jemand lebt!", sagte ich und seufzte leise.
"Ich kann mir vorstellen, dass Einener, Pearm und die anderen dich begleiten werden.", meinte Vanner. Einen Moment hielten wir inne, dann holte Vanner ein Pergament aus seinem Umhang und sagte: "Dieses Pergament, welches ich seit Ewigkeiten besitze, birgt ein Rätsel, dessen Lösung uns eine bessere Zukunft bringen kann. Darum gedenke ich hier zu bleiben und zu versuchen die Prophezeiungen zu entschlüsseln."
Dann kehrten wir zurück zu den anderen, welche inzwischen ein Lagerfeuer errichtet hatten. Wir beschlossen, das es sinnvoller währe sich schlafen zu legen, da man eh nichts tun konnte. Meine Gedanken allerdings, schwebten die ganze Zeit um das Haus der Nacht, SirTom und all die anderen Bewohner der Provinz.
Früh in den Morgenstunden des nächsten Tages waren die Flammen soweit heruntergebrannt das die Provinz wieder begehbar war. Erst jetzt konnte man erkennen was das Feuer angerichtet hatte. Alles war verkohlt, gar nichts - nicht mal die Steinhäuser - waren übrig geblieben. Wir gingen also hinunter zur Provinz, während Vanner probierte die Prophezeiung zu deuten.
Auf dem Weg den Hügel hinunter, wurde uns das Ausmaß des Feuers erst wirklich bewusst. Selbst das Tor in die Provinz war eingestürzt und wir mussten uns einen anderen Weg hinein suchen. Wir gingen also, auf der Suche nach einem Eingang, um die Provinz herum. Glücklicherweise war auf der Rückseite der Provinz ein Stück der zusammengestürzten Mauer passierbar. Nach einer kurzen Kletterpartie waren wir in der, nicht wieder zu erkennenden, Stadt.
Wir teilten uns auf um möglichst schnell alles absuchen zu können. Ich ging also zuerst mit den anderen die große Hauptstraße entlang, bog dann aber alleine links in eine kleine Nebengasse. Ich wusste, das hier einmal Bumpfis Haus gewesen war, doch es war nicht wieder zu erkennen. Ich ging also in die Ruine hinein. Plötzlich nahm ich ein Wimmern wahr, es schien aus dem Keller zu kommen. "Hallo?" Ich bekam keine Antwort.
Nachdem ich einen verkohlten Tisch und etwas, das wohl mal ein Stuhl gewesen war, aus der Weg geräumt hatte, konnte ich den Keller betreten. Ich ging also vorsichtig die steile Treppe hinunter und merkte das das Wimmern immer lauter wurde. Unten angekommen, fand ich eine Frau vor. Sie kniete auf dem Boden und weinte sich die Seele aus dem Leib. Nach genauerem Hinsehen erkannte ich das es Laszindia war... "Laszindia? Was ist los?" Sie drehte sich um. "Www...wer ist da?" Sie schien verwirrt.
"Ich bins, Johnny." "Achso... Und ich dachte schon der Tod wollte mich holen... Ich hätte es ihm glaube ich nicht übel genommen." Sie fing wieder an zu weinen.
"Aber, was ist denn passiert?" Ich kniete mich neben sie und legte ihr meine Hand auf die Schulter. "Was passiert ist? Nun, das weiß ich selber nicht so genau! Ich wachte mitten in der Nacht auf, alles war voller Rauch und die Flammen versperrten mir den Weg aus dem Haus. Außerdem lag mein Bumpfi nicht neben mir im Bett. Ich ging also alleine hier in den Keller und hoffte zu überleben." Sie machte eine kurze Pause... "Hoffentlich ist Bumpfi nicht..." Sie schluchzte. "Nein, das glaube ich nicht. Bumpfi ist doch ein zäher Junge! Jetzt lass den Kopf nicht hängen, wir werden Bumpfi schon finden!" Ich grinste sie aufheiternd an und sie sah nun auch etwas fröhlicher aus. "Du hast Recht Johnny... Danke dir." "Komm, lass uns raus hier."
Wir gingen also zu der Stelle an der Mauer zurück durch die wir rein gekommen waren. Dort warteten schon die meisten, die mit gekommen waren. Außerdem standen da noch viele andere Bewohner unserer Stadt. Es schienen fast alle dort zu sein. Wir gesellten uns zu den anderen und sahen gerade Pearm - voll beladen mit Waffen - von der Hauptstraße kommen. Ein paar von uns eilten ihm entgegen um ihm beim Tragen zu helfen. Denn bog Einener mit einem großen Karren auf die Handelstraße, der Karren war, soweit erkennbar, voll beladen mit Nahrungsmitteln.
Wie kriegen wir den Karren nur über die Trümmer? Müssen wir wohl erst einiges beiseite räumen... "Alle mal mit anfassen! Wir müssen den Weg für den Karren freiräumen!", rief ich und nahm den ersten Stein vom Boden auf. Nach und nach kamen weitere Männer hinzu und nach etwa einer Stunde war der Weg frei.
"Sind alle da?" "Bumpfi und unser Grimpi fehlen..." Laszindia, die neben mir stand, hatte Recht. Die beiden fehlten...
Verdammt... Hoffentlich ist ihnen nichts passiert...
Da wir nichts weiter in der Stadt tun konnten gingen wir, samt Karren, hinauf zum Hügel wo Vanner uns schon erwartete...
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