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[RPG] Vom Tod und anderen Gegebenheiten
Comes Hansae Vanner
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Die Hanse
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Beitrag #12
 
Hier waren wir also, auf Wanderschaft, einer Prophezeiung, welche auf Pergament geschrieben steht, folgend. Ein Schriftstück das so alt war, dass manche die Prophezeiungen darauf als Mythen oder Sagen bezeichneten. Blass erinnere ich mich daran, wie ich in den Besitz gekommen war.

Es war vor langer Zeit - ich war gerade in die Lehren eines Bibliothekars eingeführt worden - als unser Anführer uns mitteilte, dass wir zum „Haus der Nacht“ weiter ziehen müssten. Ich packte also meine Sachen, den Umhang, den Stab, meine Stiefel, die wenigen Bücher, die sich in meinen Besitz befanden. Die mir anvertraute Pergamentschriftrolle, welche ich zu entschlüsseln versuchte, verwahrte ich für die Reise in einer Holzschatulle.
Wenn gleich ich nicht viel zu packen hatte, so war ich doch einer der letzten, der die alte Städte der "Bibliothekare" verließ, nicht jedoch ohne ein letztes Mal in die große Bibliothek zu gehen, welche bereits völlig leer stand. So verließ ich also mit Wehmut meine Wirkungsstätte, in der Hoffung die neue werde ebenso prächtig sein.

Nach einigen Tagen erreichten, die anderen und ich schließlich das "Haus der Nacht". Hoffte ich zu Beginn des Weges noch auf eine prächtige neue Wirkungsstätte, so übertrafen bereits die Provinzmauern und das Provinztor meine Erwartungen. Niemals zuvor hatte ich dergleichen je gesehen, davon gehört oder gelesen.
Nach vorweisen des Dokuments, welches mich als neuen Bürger des "Haus der Nacht" auswies, wurde ich eingelassen. Doch was ich dann sah, ließ mir den Mund weit offen stehen. Nach dem Tor erblickte ich links und rechts der Straße ein großartiges Wohnhaus neben den anderen. Dem gepflasterten Weg weiter folgend, schritt ich an der Taverne vorbei – den herrlichen Duft eines saftigen Bratens und des Metes in der Nase – um schließlich den Tempelberg zu erreichen. Nur kurz konnte ich einen der mehreren riesigen Tempeln betreten. Der Tempel war geschmückt mit Reliefs der Gottheit Juno, davor standen einige Feuerschalen – die ein wohlig warmes Licht verbreiteten. Diese flankierten ebenso den Gang der weiter zum Gebetsraum führte. Als ich den Raum entlang durch die geöffneten Holztore blickte, sah ich einige Bewohner auf den Knien beten. Im Umdreh sprach ich im Gedanken zu mir selbst „Hier wirst du - ebenso wie sie - einige Zeit am Tage mit Beten verbringen.“.
Meinen Rundgang fortsetzen schlenderte ich über den mit zahllosen Leuten gefüllten Marktplatz. Der Geruch von frischem Obst und Gemüse, aber auch der von Hühnern und blutigen Fleisch hing in der Luft. Es war ein typischer Marktplatz, den obgleich ich nicht danach fragte, wurde mir ein „neuer“ Mantel angeboten - ich lehnte das Angebot dankend ab.
Den Marktplatz verlassend trat ich unter dem Aquädukt hindurch, weiter um auch die in diese Richtung ausgewiesenen Übungsplatz zu besichtigen. Schließlich kommt für jeden einmal der Tag an dem er zu kämpfen hat, und dieser sollte nicht unvorbereitet hereinbrechen.
Der Übungsplatz - mit Puppen aus Holz und Stroh - war hinter einer Umzäunung aus Stein und Eisen - hoch genug um sie nicht ohne Leiter überwinden zu können - gesichert. Teilweise wurde der Platz von einem Haus umrandet, das augenscheinlich als Aufbewahrungsort der verschiedenen Übungsgegenstände diente. Meinen Blick wieder zurück auf den leeren Übungsplatz wendend erblickte ich einige Blutspuren im trockenen Sandboden – „Also doch!“, dachte ich bei mir, „Es wird auch hier gekämpft.“. Damit hatte ich genug des Kampfes gesehen und hoffte endlich auch etwas für den Geist zu finden.
Nachdem ich durch eine enge Gasse hindurch schlüpfte, öffnete sich der Blick und ich stand mitten am Prachtplatz. Weiße Mamorsäulen mit Statuen der Helden Roms und vermutlich einigen Helden des Hauses der Nacht zierten den Platz, in dessen Mitte sich ein großer Brunnen befand. Dieser gliederte sich in 3 Etagen - das Wasser spross am Rande des obersten Levels aus kleinen Figuren, die zur Mitte hin ausgerichtete waren und floss anschließend weiter zum nächtens Level. Von dort gelangte es wieder durch kleine Steinfiguren, welche diesmal nach aus blickten, hindurch und sprudelte somit zum untersten Bereich des Brunnen.
Den Blick wieder weg vom Brunnen und in die Runde schweifend, betrachtete ich schließlich die kleine Schule und die daran anschließende Universität, an der ich meine als Bibliothekar begonnenen Studien weiter vertiefen konnte. Ein Gefühl der Vorfreude stieg dabei in mir hoch, ich konnte es nicht erwarten endlich dort weiter zu machen wo ich vor einigen Tagen aufgehört hatte.
Viel größer als die Schule und die Universität war das Forum, in welchem sich in edle Stoffe gehüllte Herrschaften tummelten. Den Säulen in die Höhe folgte mein Blick bis ich den über den Säulen angebrachten goldenen Schriftzug erblickte: „Pro Populusque domo nox*“.
Als ich schließlich den Palast erblickte, wurde mir klar, dass ich in eine wahrlich große Provinz gelangt bin, wenn gleich ich selbst wohl nie diesen Palast betreten oder sogar bewohnen würde.

Nun da ich alles gesehen hatte, begab ich mich zur Meldestelle damit mir eine Unterkunft zugeteilt wurde und ich meinen Berufswunsch äußeren konnte. Wie ich ernüchternd feststellen musste, erhielt ich weder einen großartigen Wohnraum, noch konnte ich meinen Beruf als Bibliothekar weiter ausüben und musste die freie Arbeitsstelle eines Holzfällers annehmen.
Nachdem ich nur widerwillig die mir zugewiesene Behausung bezogene hatte, versperrte ich die wenigen Bücher und die Pergamentrolle in einer Kiste. Darin würden sie gut aufgehoben sein, bis ich wieder die Zeit und die Kraft für Bücher und Schriftrollen hatte. Zu gut waren sie darin verwahrt, den sie gerieten - bedingt durch den anstrengenden neuen Beruf als Holzfäller - in Vergessenheit.


*„Für das Volk des Hauses der Nacht“
17.02.2007, 14:31
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