Beitrag #5
Ein gellender Ruf, ausgestoßen von einer rauen Männerkehle, weckte sie schließlich am nächsten Morgen auf. Erschrocken setzte Babe sich auf und schaute zu Raven, der den Schrei ausgestoßen hatte. Gleichzeitig griff sie zu ihrem Bat`leth, dass sie wie immer neben sich abgelegt hatte.
„Tarcks!“
Dieser Schrei weckte die letzen Lebensgeister der Kriegerin und ihre Gefährten. Jeder sprang mit dem Griff zu seiner Waffe auf. Verwirrt und noch leicht verschlafen blickten die Krieger dabei um sich, als würden sie dem Warnruf, den Raven ausgestoßen hatte, nicht ganz glauben wollen. Ein Blick in den fahlen Morgen belehrte sie jedoch eines besseren. Vom Süden her bewegte sich eine lange Reihe von Tarcks auf sie zu. Eine Masse von schwarzen Leibern, die durch den Morgennebel auf sie zukamen und so ein unwirkliches Bild abgaben: aufsteigender Nebel vermengte sich mit den Gestalten, wobei es so aussah, als ob er ihnen Arme oder Beine abreißen würde und die dann beim Durchpflügen der ziehenden Wolken wieder aus ihren Leibern wuchsen. Gleichzeitig schwangen die Tarcks ihre Schwerter, Äxte oder andere ihrer todbringenden Waffen. Dabei knurrten leise vor sich hin, als würden tausende Hunde sich um einen Knochen streiten. Alleine das Knurren klang bedrohlich und wären die Gefährten den Tarcks nicht schon mehrmals begegnet, wären sie versucht gewesen, die Flucht zu ergreifen.
„Ihr Götter helft,“ murmelte Babe, einen Schritt zurückgehend. „Jetzt kann uns nur noch ein Wunder helfen.“
Method Man, der neben ihr stand, schluckte schwer und auch Tool knirschte leicht mit den Zähnen. Jung, wie sie noch waren, hatten sie noch nie gegen eine solche Übermacht gekämpft und die Kriegerin nahm an, dass die beiden auch nicht besonders wild darauf waren, sich an einer zu versuchen. Selbst Lonely, Kjaskar und Mercenary erbleichten für einen Moment, bevor sich ihre Hände um ihre Waffen verkrampften. Einzig Sir Ecthelion und Elvenkiss, die beiden Elfen in ihrer Gemeinschaft, zeigten stoische Ruhe. Mit einem Gesicht, das keine Regung zuließ, hatten sie zu ihren Bögen gegriffen. Fast gleichzeitig langten sie mit ihrer Hand nach hinten zu ihrem Köcher, um dort einen Pfeil hervorzuziehen und ihn aufzulegen.
Gemurmelte Worte, ganz in ihrer Nähe, ließen Babe den Kopf drehen. Hinter ihr standen Triple x und Raven, ihre Hände hatten sich wie zufällig getroffen, um sich gegenseitig Mut zuzusprechen.
Mit gesenktem Kopf drehte sich Babe wieder um. Jeder schien ähnlich zu fühlen wie sie. Angst, die sich kalt und klamm anfühlte, kroch an ihnen hoch, drohte sich in Herz und Geist festzusetzen und ihnen den Atem zu rauben. Alle Hoffnung auf ein gutes Ende ihrer Mission schwand beim Angesicht der sich bewegende Masse.
„Welch Ironie,“ dachte die Kriegerin in einem Anflug von Galgenhumor. „Auf der Suche nach der Schwester des Todes werden wir den Tod selbst finden.“ Ein Seufzen ging durch den Körper von Babe und sie hob den Kopf, um die anziehenden Tarcks zu beobachten. Ihre Hand umklammerte dabei den Griff ihrer Waffe, denn obwohl sie alles andere als feige war, wünschte sie sich in diesem Moment einige Tarcks weniger. Auch Tool schien ähnliches zu denken, hörte sie ihn doch so etwas wie: „...ganz schön viele...“ murmeln.
Keiner der Krieger antwortete ihm, jeder hielt den Blick nach vorne gerichtet, während die Minuten wie zäher Brei vor sich hinschwanden. Die Nerven aller waren zum Reißen gespannt, die Gedanken auf den bevorstehenden Kampf gerichtet.
Doch plötzlich - als hätte jemand von ihnen ein geheimes Zeichen gegeben - ging ein gemeinsamer Ruck durch die Gladiatoren aus Rom. Ohne sich noch einmal anzusehen oder ein Wort miteinander zu wechseln, stürmten sie gemeinsam nach vorne, auf den übermächtigen Gegner zu.
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